Stadler Rail hat gebührenden Anteil am Verband der Hersteller von Infrastruktur und Rollmaterial VDB. Der verzeichnete im ersten Halbjahr trotz Pandemie 6,4 Mrd. Euro Rekordumsatz. Vorstand Rodenbeck warnt vor übertriebenem Optimismus.

Am stärksten blieb das Fahrzeuggeschäft mit 4,4 Milliarden Euro Umsatz und einem Plus von 26 Prozent. Auch der Infrastrukturbereich wuchs – mitten in der Krise - um 25 Prozent. VDB-Präsident Andre Rodenbeck (Siemens): «Eine hervorragende Umsatz-Bilanz, zumal in Zeiten wie diesen. Aber ich warne davor, die Bücher vorschnell zu schliessen. Die Produktion unserer Unternehmen heute spiegelt die vollen Auftragsbücher der Vorjahre. Die Auswirkungen der Krise wird unsere Industrie folglich erst im Laufe dieses Jahres und den darauffolgenden Jahren zu spüren bekommen».

Andre Rodenbeck (Bild: VDB)

 

Das gegenwärtige Plus reflektiere die hohen Auftragseingänge der vorangegangenen beiden Jahre und vor allem die Resilienz der Bahnindustrie. «Unsere Lieferketten haben entlang der gesamten Wertschöpfungskette gehalten, von den Systemhäusern bis zum Mittelstand. Trotz weltweiter Shutdowns», so Rodenbeck.

Während die Auftragslage auf dem Heimatmarkt um 18 Prozent steigt, bricht der Auslandsauftragseingang dramatisch ein. Mit 2,3 Milliarden Euro sinkt der Auftragseingang ausserhalb Deutschlands um 36 Prozent. Die Aufträge aus dem Ausland im Fahrzeugbereich schrumpfen sogar um 53 Prozent. «Als globale Exportindustrie sehen wir die Auftragsperspektiven auf dem Weltmarkt mit grosser Sorge», so Rodenbeck. «Für die Negativspirale im Export sehe ich vor allem zwei Gründe. Erstens werden öffentliche Investitionen in Schienenprojekte im Ausland wegen der Krise teils zurückgefahren, verschoben oder zur Disposition gestellt. Und zweitens sind Exportaufträge eng verknüpft mit Beratungen vor Ort, die oft kaum noch möglich sind,» so Rodenbeck. Reisebeschränkungen müssten europaweit besser koordiniert werden und nötige weltweite Geschäftsreisen durch hinreichende Testkapazitäten vor allem an Flughäfen gesichert werden.

Jure Mikolčić (Foto: VDB)

Entscheidend seien darüber hinaus gezielte Grundlageninvestitionen in eine beschleunigte Digitalisierung der Schiene und in alternative Antriebe. Im Verband der Bahnindustrie ist auch der schweizerische Bahnhersteller Stadler Rail mit Jure Mikolčić vertreten. Mikolčić ist hauptamtlich CEO der Stadler Pankow GmbH und Mitglied der Konzernleitung der Stadler Rail AG.

 

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