Chinesische Unternehmen sind als Auftraggeber für die künftige Generation automatisierten Strassenverkehrs willkommen: Die ZF in Friedrichshafen stellt künftig LiDAR (optische Abstands- und Tempomessgeräte) in Serie für den SUV-Hersteller GWM aus Baoding her.

Die Fahrzeuge werden mit den Instrumenten, die von einem Hamburger LiDAR-Spezialisten namens Ibeo entwickelt wurden, Sensoren und einer Steuereinheit, die dann am Bodensee gebaut wird, Pick-ups von «Great Wall Motor» auf Level 3 des automatisierten Fahrens bringen. China gilt bereits jetzt als der Automarkt mit dem voraussichtlich grössten Potenzial für die robotisierten Fortbewegungsmittel.

Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im Jahr 2019 befindet sich Ibeo bereits seit einem Jahr mit den Chinesen in der Vorentwicklung. Mit dem System auf Level 3 soll künftig das teilautonome Fahren möglich sein. Damit sind Autos in der Lage, auf der Autobahn längere Strecken komplett selbstständig zu fahren. Das System umfasst einen ibeoNEXT-Solid-State-LiDAR, eine Steuerungseinheit sowie eine Perception-Software, die Objekte erkennt und so im Zusammenspiel mit anderen Systemen eine sichere Fahrt erlaubt. Das LiDAR-System wird ab 2022 in Serie eingesetzt. Ein anderer Dienstleister namens LiangDao Intelligence übernimmt die Erprobung und Validierung des LiDAR-Systems.

Ulrich Lages, CEO von Ibeo: «Der LiDAR-Serienvertrag mit Great Wall Motor zählt zu den grössten, die weltweit jemals abgeschlossen wurden. Für Ibeo ist die Kooperation ein wichtiger Meilenstein, mit dem wir unsere globale Technologieführerschaft im Bereich LiDAR weiter ausbauen. Wir sind der erste Zulieferer in China überhaupt, der dort mit LiDAR-Sensoren ein automatisiertes Fahren auf Level 3 in einem Serienfahrzeug ermöglicht.»

Seit 2016 ist der Automobilzulieferer ZF zu 40 Prozent an Ibeo beteiligt: zunächst über eine «Zukunft Ventures GmbH», seit 2019 über die «ZF Automotive Germany GmbH», einer 100-prozentige Tochtergesellschaft der ZF. An Ineo-Standorten in Hamburg, Eindhoven (Niederlande) und Detroit (USA) sind über 400 Mitarbeitende im Einsatz. Hinweis: Das Bild stammt aus 2019 vor der COVID-19-Pandemie.

Ibeo hat ein neues 4D-Sensoriksystem entwickelt, bei dem je nach Anwendungsfall 11,2 Grad, 32 Grad, 60 Grad oder 120 Grad-Optiken gewählt werden. Durch den Einsatz mehrerer Sensoren und die Fusion der Daten kann eine 360-Grad-Umfelderfassung des Fahrzeugs erfolgen. Der ibeoNEXT Generic lässt sich für automotive Anwendung vom Stauassistenten bis hin zum autonomen Fahren einsetzen.

An die üblichen Bilder von Hände schüttelnden Geschäftspartnern wird man sich gewöhnen müssen. Ibeo unterstützt auch Bereiche in Lagerung und Logistik, um Abläufe sicherer, schneller oder vollautomatisiert ablaufen zu lassen. 

Ibeo ist zudem Teil eines Forschungsprojekts «VanAssist», das im Oktober 2018 gestartet ist. Ziel ist es, Paket-Zusteller künftig bei der sogenannten letzten Meile zu entlasten. Im Mittelpunkt stehen autonome elektrische Kleintransporter, die eine emissionsfreie Paketzustellung in urbanen Zentren ermöglichen sollen. Der Lösungsansatz sieht vor, Routen zu optimieren, indem das Fahrzeug automatisiert zum nächsten geplanten Halt fährt, während der Zusteller sich fussläufig um die Abgabe der Pakete kümmert. Ibeo entwickelt ein Safety-System, mit dem alle beteiligten Komponenten überwacht werden, um das autonome Fahren zu ermöglichen. Der ibeoNEXT Solid State LiDAR wird für die Objekterkennung und Lokalisierung eingesetzt.

www.ibeo-as.com

3.8.2020