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Revolution im Brownfield

23. Oktober 2025

Auf die nächste Stufe hob der Spezialist für Arbeitskleidung Strauss seine Logistik in Biebergemünd mit einem update von Anlagen, die neben geringeren Kosten und schnellerer Umsetzung gegenüber einem Neubau 26.000 t CO2 einsparten. Und gewann mit diesem «Next Level» den Deutschen Logistik-Preis 2025.

Logistikkongress BVL Logistikpreis Leitstand strauss 310 Neuer Leitstand in Schlüchtern.


Ist ein Logistikzentrum erstmal in die Jahre gekommen, stellt sich die Frage: Neubau oder Erneuerung im  Bestand? Die Workwear-Marke Strauss entschied sich am Stammsitz in Biebergemünd nach einer  ausführlichen Analyse dafür, eine Revitalisierung anzugehen – und das sogar im laufenden Betrieb. Das  Projekt «Logistics Next Level» überzeugte Jury und Auditoren des Deutschen Logistikpreises und wurde gestern Abend im Rahmen der BVL Supply Chain CX in Berlin mit dem Logistik-Preis ausgezeichnet.

Logistikkongress BVL Logistikpreis verleih 310 Preisverleihung in Berlin. Foto: Lietzmann

Bereits 2015 hat das Familienunternehmen die Auszeichnung mit ihrem Projekt ‚Stargate‘ eingestrichen. Im  Jahr 2020 stand Strauss mit einer «CI Factory» in Schlüchtern im Finale. «Wir wollten unsere Logistik nicht nur erneuern, sondern revolutionieren», sagt COO Matthias Fischer zum diesjährigen Siegerprojekt.

Zuvor noch vieles analog

Das bisherige Logistikzentrum in Biebergemünd stammte aus den 1990er Jahren und war nicht mehr  zukunftsfähig – die überalterten Anlagen verbrauchten viel Energie und die Prozesse waren vielfach noch  analog. Die Analyse zeigte schnell: Ein Neubau wäre mit den höchsten Kosten und den meisten CO2- Emissionen verbunden, würde zudem viel Zeit kosten.

Logistikkongress BVL Logistikpreis Kartonaufricht Siemens 310 Kartonaufrichter. Foto: Siemens


Die Brownfield-Revitalisierung dagegen hatte einen tragfähigen Investitionsrahmen, eine kürzere  Umsetzungszeit, und sparte gegenüber einem Neubau einige Zehntausend Tonnen an CO2-Emissionen. Eine PV-Anlage und Geothermie tragen zur Eigenversorgung bei. Der Umbau im laufenden Betrieb stellte  allerdings hohe Anforderungen an Planung, Qualifizierung und Risikosteuerung.

55 Mio. Euro investiert

Teile des Prozesses konnten temporär an den Schwesterstandort im nahe gelegenen Schlüchtern ausgelagert werden. Investiert wurden insgesamt 55 Mio. Euro, die aus Eigenmitteln finanziert werden konnten. Bei einerVerdoppelung der Versandleistung sanken die Stückgutkosten – den Return on Investment gibt Fischer mit 4,8 bis rund fünf Jahren an.

Logistikkongress BVL Logistikpreis Preisverleih fischer 310 Urkunde für die «Revolutionsführer». Foto: BVL/Lietzmann


Jetzt koordiniert ein neuer Leitstand täglich rund 45.000 Sendungen. Die Auftragsdurchlaufzeit sank von vier Stunden auf 40 Minuten, die Fehlerrate wurde um 80 Prozent reduziert, die Kundenzufriedenheit liegt heute  bei 98 Prozent. Die Automatisierung und Digitalisierung mit modernsten Anlagen ist die eine Säule des Erfolgs.

Wochenarbeitszeit reduziert

Entstehende Daten fliessen sofort wieder in Prognosen, Kapazitätssteuerung und Wartungsplanung ein und erhöhen so die Stabilität der Abläufe. Das Auditing-Team und die Jury waren aber ebenso von der Verankerung des Projekts im gesamten Team beeindruckt.

Die Belegschaft war von Beginn an eingebunden und konnte viele Themen wie Schichtplanung,  Pausenzeiten und Arbeitsplatzgestaltung mitbestimmen. Die Umbauzeiten wurden zu Schulungen im  modernen Standort Schlüchtern genutzt. Für die Mitarbeitenden besonders positiv: Die Effizienzgewinne erlaubten es, die Wochenarbeitszeit von 40 auf 37,5 Stunden zu reduzieren - bei vollem Lohnausgleich.

Logistikkongress Strauss Returns Credit Strauss 310 ...bei vollem Lohnausgleich. Foto: Strauss

In Summe überzeugte Strauss die Jury mit dem integrierten Ansatz aus Brownfield, Technologie, Ökologie  und sozialer Dimension. Die Verbindung von Bestandserhalt, vernetzter Automatisierung, KI-gestützter  Steuerung und aktiver Beteiligung der Mitarbeitenden schafft messbare Effekte in Leistung, Qualität und  Nachhaltigkeit. Das Projekt ist damit ein belastbares Modell für Unternehmen, die mit Blick auf knappe  Flächen, steigende Anforderungen und hohen Kostendruck zukunftsfähige Logistik entwickeln wollen.

www.bvl.de








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