Das Projekt «Tolkien» zu nennen, ist sicher ein geschickter Schachzug – auch, wenn es nicht um J. R. R. Tolkien´s Fantasiewelt in «Herr der Ringe» geht. Sozusagen die «Hobbits» sind hier Andreas Gade und Daniel Scheible vom Fraunhofer IML, die einen Digitalen Zwilling für Häfen entwickelt haben.

Kurz vor Ende des Forschungsprojektes, das auf Februar 2026 terminiert ist, werden die Entwicklungs- Arbeiten und Daten-Auswertungen am Fraunhofer IML zurzeit sukzessive abgeschlossen.
Der in «Tolkien» entstehende digitale Zwilling hat das Ziel, eine Daten- und Informationsgrundlage zu schaffen, um den beteiligten Hafenbetreibern strategische und datengetriebene Entscheidungen zu ermöglichen. Auch Hafenanliegern, heisst es seitens des IML, biete der digitale Zwilling einen Mehrwert im operativen und taktischen Geschäft.
Mehrwert im operativen Geschäft
Zu Beginn des Projekts wurden zunächst drei Business Szenarien («digitale wasserseitige Verkehrserfassung», «digitale Verkehrserfassung der Hafenbahn« und «Emissionsmonitoring eines Logistikareals») definiert und um ein viertes Szenario («digitale strassenseitige Verkehrserfassung») im Hafen Trier ergänzt.
Fotos (2): Hafen Trier
Dieses Szenario entstand aus dem durch das Programm Digitale Testfelder in Häfen (DigiTest) geförderte Projekt DiVer-HT, indem Kameras entlang der Hafenbahn und der Strasseninfrastruktur montiert und angebunden wurden. Die Kameratechnik ermöglicht es, Auswertungen der Verkehre an zwei Strassenknotenpunkten im Hafen durchzuführen und bspw. Verkehrsstärken oder Spitzenzeiten zu identifizieren. Hierdurch wurde ein transparenter Überblick über die Verkehre möglich.
Automatisierte Abläufe
Im Rahmen des Szenarios der Hafenbahn Trier wurde u.a. ein E-Mail-Service in Betrieb genommen, der Hafenanlieger über Zugankünfte und -abfahrten kurz nach der Durchfahrt durch das Schienen-OCR-Gate über Wagen- und Container-Nummern automatisiert informiert, was Auswirkungen auf die operativen Abläufe hat.
Zur Erhöhung der Emissionstransparenz wurden umfangreiche Verkehrs- und Umweltdaten aus den Duisburger Hafenbereichen, die vom DigiTest-Projekt Setri des duisport montierten Sensoren erfasst werden, kontinuierlich ausgewertet.

Dadurch lassen sich standortbezogene Analysen von Luftschadstoffen durchführen, Verkehre analysieren und gebietsbezogene Verkehrsströme datenbasiert erfassen, um Transparenz zu schaffen und die Entwicklung von Handlungs- Empfehlungen zu unterstützen.
Abgerundet werden die Arbeiten durch die Analyse der wasserseitigen Verkehre auf Basis von AIS- Daten. Die Erkenntnisse hieraus werden analog zur Strasse und Schiene verwendet, um Verkehrsspitzen zu erkennen, Engpässe zu identifizieren und Transparenz zu schaffen.
Robuste Sensor-Datenbasis
Ergebnis des Tolkien-Projekts ist eine robuste Sensor-Datenbasis über Strasse, Schiene, Wasserstrasse und Umweltparameter – als Grundlage für datengetriebene Entscheidungen in den Binnenhäfen. Projektpartner sind die Duisburger Hafen AG, die Trierer Hafengesellschaft mbH, die NautilusLog GmbH und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML.

















