Drohnen-Kontrollzentrum der HHLA

Geräte und Lösungen von 14 Intralogistik-Anbietern sind für den International Forklift of the Year Award 2021 nominiert. Von 22. bis 26. März stehen Flurförderzeuge, Roboter, Spezialfahrzeuge, Software und komplexe Lagertechnik-Systeme in Dortmund auf dem Prüfstand.

Aus einem ansehnlichen Bewerberfeld von 36 Herstellern gehen im neunten Durchgang des längst zum «Oscar der Intralogistik» gediehenen Wettbewerbs neben klassischen Staplern und Lagertechnik-Geräten zahlreiche Anbieter an den Start, die stark zukunftsorientiert auftreten. Anita Würmser, Vorsitzende der IFOY-Jury, hält das für «ein klares Statement, wohin die Reise geht». Autonomisierung, Technologie, Software und ganzheitliche Lösungen, meint sie, seien «jetzt wichtiger denn je».

Mit von der Partie sind die Unternehmen arculus, Cargotec Engineering, Hai Robotics, Hänel, H+E Produktentwicklung, HHLA Sky, die BMW-Tochter Ideal, Interroll, Nimmsta, Oppidum Tic, Still, Synaos, Volume Lagersysteme und Waku Robotics. Eine Mischung, die interessante Einblicke erwarten lässt.

Alle durchlaufen an den Testtagen das dreistufige IFOY Audit auf dem Gelände der Messe Dortmund. Experten durchleuchten in standardisierten Verfahren die Kennzahlen der Finalisten. Spezialisten des Dortmunder Fraunhofer-Institutes für Materialfluss und Logistik (IML), des Lehrstuhls für Technische Logistik an der Universität Dresden sowie dem Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik (fml) der TU München nehmen den Innovationswert unter die Lupe. Am Ende des Testcamps nehmen die Juroren aus Europa, Australien, Brasilien, China, Indien, Russland und Südafrika die Gerätschaft ins Visier und Platz hinter dem Steuer. Vergeben werden die begehrten Trophäen am 21. Mai in der Wiener Hofburg.

Die Finalisten

Mit zwei Produkten und Lösungen hat es der Software- und Robotikexperte arculus aus Ingolstadt in das Finale geschafft: Sein herstellerübergreifende Flottenmanagementsystem ermöglicht Nutzern über eine neue VDA 5050-Schnittstelle den Betrieb von AGVs verschiedener Hersteller nebeneinander inklusive Planung und intelligenter Routenplanung auf Basis von Echtzeit-Informationen.

Im Rennen auch das AGV arculee2. Der für das innerbetriebliche Produktions- und Logistikumfeld entwickelte autonome mobile Roboter mit einer Tragkraft bis zu einer Tonne soll autonomes Fahren und die Effizienz der Massenproduktion in die industrielle Anwendung bringen. Das Gerät wird von einer Robotereinheit gesteuert, die Over-the-Air-Updates und das Teach-in in der Flotte erlaubt.

Einen guten Platz in der Runde hat sich Cargotec Engineering Ireland mit der zweiten Generation seines weltweit ersten vollelektrischen Mitnahmestaplers Moffett E4-25.3NX gesichert. Der Stapler mit 2,5 t Tragkraft verfügt neben zahlreichen Sicherheitsfeatures über einen vollelektrischen Dreiradantrieb und ist emissionsfrei.

Mit einer Warehouse Solution hat der Intralogistikanbieter Hänel die Endrunde erreicht. Der Lagertechnikhersteller hat für MSC Technologies, Anbieter von Embedded Systems, die Integration von zwölf Hänel Rotomat-Lagerliften über zwei Etagen realisiert. Die Umlaufregale verbinden nicht nur den physikalischen Warenfluss, sondern sind auch nahtlos in die SAP-Umgebung integriert. Zusatznutzen: Die Liftsteuerung wird zum SAP-Terminal.

Auch so kann ein Huski aussehen.

In das Finale geschafft hat es auch die Routenzuglösung HUSKi von H+E. Der HUSKi kann kontaktlos, automatisiert und selbsttätig Waren bis 1,4 t Gewicht übergeben und ermöglicht so eine autonome Intralogistik im Grossgütersektor.

Ebenfalls nominiert ist das «Integrated Drone Control Center» ‚(Integriertes Drohnen-Kontrollzentrum) von HHLA Sky – einer Tochter der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Das Drohnen-Managementsystem organisiert alle Prozesse beim Betrieb von Drohnen und ferngesteuerten Fahrzeugen mit einer einzigen Plattform und ist in der Lage, mehr als 100 Drohnen gleichzeitig und ausserhalb der eigentlichen Sichtweite zu fliegen.

Gleich zweimal in der Endrunde vertreten ist HAI Robotics aus dem chinesischen Shenzhen. Zum einen überzeugte die Jury der brandneue Haipick A42T, der weltweit erste Teleskoplift ACR (Autonomer Case-Handling-Roboter). Dieser ermöglicht eine intelligente «Ware-zur-Person»-Kommissionierung und deckt mit seiner Teleskophubfunktion eine Höhe bis 6,50 m ab.

Darüber hinaus wurde eine Warehouse Solution auf der Basis des Modells Haipick A42N nominiert. Der A452N ist laut Unternehmensangaben der weltweit erste autonome Karton-Kommissionierroboter, der eine gemischte Kommissionierung von Kartons und Behältern unterschiedlicher Grösse ermöglicht. Der Hersteller setzt eine visuelle 3D-Erkennungstechnologie ein, damit das Gerät Behälter und Kartons ohne Codes lokalisieren und direkt auf sie zuzugreifen kann.

 

Dass ein Automobilhersteller sich auch als Intralogistikanbieter nicht verstecken muss, zeigt die Nominierung für die neugegründete BMW-Tochter IDEALworks. Ihr vollautonomer, mobiler Roboter iw.hub kann mit seiner cloudbasierten Steuerungsplattform AnyFleet innerhalb von zwei Tagen ohne strukturelle Anpassungen in der Produktion implementiert werden.

Der Smart Pallet Mover von Interroll hat es ebenfalls ins Finale geschafft. Dabei handelt es sich um eine neue, modulare und mobile Roboterlösung für die Automatisierung des Palettentransports in den Bereichen Produktionsmaschinen und Kommissionierung, die für den Transport von Paletten oder Kisten bis zu 1000 Kilogramm ausgelegt ist.

In vertrautem Umfeld bewegt sich der Hamburger Staplerhersteller Still, der sich in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Trophäen gesichert hat. In diesem Jahr wurde mit dem EXH-S 25 ein Niederhubwagen mit 2,5 t Tragkraft für besonders harte und enge Arbeitsbereiche nominiert. Er zeichnet sich durch seine besonders kompakten Abmessungen aus und kann bis zu 14 Stundenkilometer schnell fahren. Eine zweite Nominierung holt sich Still mit der Warehouse Solution für das neue Produktionslager von Danfoss Power Electronics im dänischen Tinglev: eine vollständig aufeinander abgestimmte Kombination aus jeweils drei automatisierten Serien-Flurförderzeugen mit sämtlichen Systemkomponenten.

Interchat: Kommunikation ist in jedem Fall Trumpf.

Gleich fünf Start-ups nominierte die Jury für das Finale 2021 in der Kategorie «Start-up of the Year». Nimmsta tritt mit dem HS 50 an, dem ersten Handrückenscanner mit einem Touch Display, der ein freihändiges Scannen ermöglicht. Eine Plattform namens Logistics Interchat von Oppidum Tic aus dem spanischen Zaragoza soll Kommunikationsprobleme von Spediteuren mit Mitarbeitern in Be- und Entladezentren lösen und die Einhaltung der Vorschriften im Bereich Social Distancing checken. Das Finale ebenfalls erreicht hat das Softwaresystem Synaos Logistics vom gleichnamigen Start-up aus Hannover. Die Lösung zur Orchestrierung von Fabriken und Logistikzentren mithilfe künstlicher Intelligenz und Cloud-Technologien optimiert intralogistische Prozesse, steuert autonome mobile Roboter und optimiert Routen. Der vierte Kandidat in der Endrunde der Start-up-Kategorie ist das Volume Wave, das sich als weltweit erstes kompakte, vollautomatische Paletten-Shuttle-Lager mit Einzelplatzzugriff versteht, über sehr hohe Lagerdichte verfügt und sich als Alternative zu Distributionszentren mit Regalbediengeräten sowie Breit- und Schmalganglagern positionieren möchte.

Der fünfte start-up-Finalist ist das Echtzeitanalyse-Dashboard Waku Sense von Waku Robotics, mit dem sich Leistung, Zuverlässigkeit und Auslastung von verschiedenen Robotertypen über unterschiedliche Standorte hinweg auswerten und optimieren lassen.

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